Medienpädagogik

Wer waren die Vorbilder/Helden Ihrer Kindheit und Jugend, Frau Klein?

Als jüngeres Kind mochte ich Musiker, die auch meine Eltern hörten ‒ die Beatles etwa oder Harry Belafonte. Später mochte ich viele Musiker und Schauspieler, aber meine ersten „eigenen“ Helden waren der US-amerikanische Schauspieler Patrick Swayze und die Boyband New Kids on the Block.

Wer war für Sie in Ihrer Kindheit ein reales und/oder mediales Vorbild? Hatten Sie vielleicht sogar eine Figur, die Sie als Ihren Helden bezeichnen würden?

Reale Vorbilder waren damals sicherlich meine Eltern, die mir wunderbare Reisen ermöglichten und mein Verständnis für Demokratie und Gerechtigkeit schärften. Auch ein amerikanischer Freund meines Vaters, mit dem mich heute ebenfalls eine Freundschaft verbindet und der mich ermutigte, früh Englisch zu lernen, war sicherlich ein reales Vorbild; ebenso ein älterer Cousin, der eine umfangreiche Schallplatten- bzw. CD-Sammlung besaß, und mit dem ich stundenlang Musik hörte. Damals habe ich aber natürlich noch nicht verstanden, dass diese Leute Vorbilder waren. Mediale Persönlichkeiten, die ich im Sinne eines Vorbildes bewundert habe, gab es kaum. Das waren für mich eher Stars. Pippi Langstrumpf war aber sicherlich so eine (fiktive) Vorbildfigur.

Wie alt waren Sie, als diese Vorbilder in Ihr Leben „traten“? Was hat Ihnen an diesen Figuren/diesen Menschen gefallen?

Als Pippi Langstrumpf in mein Leben trat, war ich etwa sechs oder sieben. Ich fand sie alleine schon deshalb toll, weil sie mit neun schon ein „großes“ Mädchen war. Außerdem war sie stark und lebte ganz alleine mit vielen Tieren in ihrem eigenen Haus. Das hat bei mir erst viel später geklappt, und ein Äffchen und ein Pferd habe ich bis heute nicht … Bei Patrick Swayze und den NKotB war ich elf bzw. zwölf. Sie fand ich vor allem attraktiv; ihre Filme bzw. Musik waren ebenfalls wichtig, aber eher zweitrangig. Das waren eben klassische Stars.

Wollten Sie so sein wie Ihre Vorbilder? Wie weit ging die Begeisterung?

Bei Pippi ging die Bewunderung nicht sehr weit. Auch wollte ich nicht unbedingt genauso sein wie Patrick Swayze oder die New Kids on the Block. Ich habe aber damals in der Schule einen Schauspielkurs belegt und später angefangen, Gitarrenstunden zu nehmen. Insofern habe ich mich zumindest sehr für die Tätigkeiten meiner Stars interessiert. Und gegen ein bisschen Ruhm hätte ich sicherlich auch nichts gehabt…

Waren diese Mensch auch für Andere ein Vorbild/ Held?

Oh ja, meine Großcousine verehrte Patrick Swayze, und sie war sicherlich nicht die einzige… Die NKotB waren ja ohnehin ein Massenphänomen. Da gab es schon einige Freundinnen, die Fans waren. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl, die New Kids gegen Nicht-Fans verteidigen zu müssen.

Gab es auch Negativvorbilder – mediale oder reale Figuren –, denen Sie auf keinen Fall ähnlich sein wollten?

Meine „Negativvorbilder“ haben sich seit der Kindheit nicht geändert: Leute, die die Menschenwürde mit Füßen treten ‒ zuallererst Nazis und Menschen, die rechtes Gedankengut verbreiten.

Seit Ihrer Kindheit/Jugend sind einige Jahre vergangen. Denken Sie manchmal noch an Ihre Begeisterung von damals? Wenn ja, würden Sie uns verraten, wer es ist und was diese Figur/diesen Menschen für Sie dazu macht?

Ich denke noch oft an diese Begeisterung ‒ besonders häufig im Rahmen meiner Forschung. Ich war beispielsweise sehr traurig, als Patrick Swayze 2009 an Krebs verstarb und habe die Art und Weise bewundert, mit der er vorher mit dieser schlimmen Diagnose umgegangen ist. Bei einem USA-Aufenthalt vor einigen Jahren besuchte ich auch ein Konzert der New Kids on the Block. Es war sehr spannend, ein solches Konzert mit vielen Jahren Abstand und einigermaßen objektiv zu betrachten. Heute beschäftige ich mich mit medialen Vorbildern vorwiegend wissenschaftlich. Allerdings ist die Antriebskraft dafür sicherlich die Tatsache, dass ich noch immer auch eigene Vorbilder habe. Als solche würde ich zum Beispiel die amerikanische Band Bon Jovi bezeichnen, die ich schon seit meiner Teenagerzeit bewundere ‒ besonders deren Lead-Gitarristen Richie Sambora. Ich würde liebend gerne so gut Gitarre spielen können wie er. Mit seinem ‒ zumindest medial transportierten ‒ Lebensstil kann ich mich jedoch keineswegs identifizieren.

Frau Klein, vielen herzlichen Dank für das Interview!

Cornelia Klein veröffentlicht in der aktuellen tvdiskurs zum Thema:
Die Bedeutung medialer Vorbilder im Laufe des Lebens.
Der Artikel beschreibt die Entwicklung der Beziehung zwischen einem Individuum und dessen medialem Vorbild in unterschiedlichen Lebensphasen.

Über Cornelia Klein
Dr. Cornelia Klein studierte Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und promovierte über die mediale Vorbildkompetenz. Sie arbeitet als Lektorin und Redakteurin bei einem pädagogischen Fachverlag.

ft  26. Juli 2013 von Cornelia Klein
Kategorien: Mediengeschichten | Schlagwörter: tvdiskurs, Vorbilder |
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